AmaZen – Amazon Mitarbeiter sollen in die Meditations-Box

AmaZen Amazon Meditation Box Kabine

Von Buddhastiftung

Amazon empfiehlt Achtsamkeits-Meditation am Arbeitsplatz.

Was wie ein Witz klingt, ist ernst gemeint. Das Szenario entstammt auch keiner Dystopie oder Parodie. Es entstammt einer Amazon Pressemitteilung und wurde in den USA als Teil des neuen Mitarbeiterprogramms „Working well“ vorgestellt. Das Unternehmen empfiehlt seinen Mitarbeitern, sich geistig zu entspannen, während am Arbeitsplatz Zeitdruck herrscht und Knochenarbeit geleistet wird.

Zu diesem Zweck hat der Internet-Konzern in seinen Logistikzentren „Achtsamkeits-Kabinen“ aufgestellt, „interaktive Kioske“ mit dem Namen „AmaZen“. In diesen Meditationskabinen mit der Aufschrift „Mindful Practice Room“ können sich Mitarbeiter „kurze Videos mit einfach zu befolgenden Aktivitäten zum Wohlbefinden ansehen, darunter geführte Meditationen“.

 

AmaZen – Kritik am stillen Örtchen für den Geist

Ein Tweet von Amazon zu dem Programm wurde vom Unternehmen gelöscht, nachdem innerhalb kurzer Zeit mehr als 8000 Kommentare gepostet wurden, wie auf dem Internetportal Golem berichtet wurde. Da Magazin „Tricycle“ beschrieb, in den Kommentaren seien die Kabinen als „winzige kapitalistische Panikräume“ und „Verzweiflungskabinette“ bezeichnet worden. Andere Autoren hätten vorgeschlagen, lieber Campingtoiletten aufzustellen in Bezug auf die (von Amazon bestritte) Behauptung, dass die Mitarbeiter zu wenig Zeit für Toilettenpausen hätten.

Ein Video über die von Amazon so bezeichneten „interaktiven Kioske für geistige Gesundheit“, das ursprünglich zur Pressemitteilung gehörte, wurde vom Unternehmen nach der geäußerten Kritik entfernt. Es ist aber weiterhin im Internet abrufbar.

AmaZen Amazon Meditation Box Kabine 2

Achtsamkeit am Arbeitsplatz – wem hilft es?

Es wurden Mitarbeiter zitiert, die davon berichteten, dass sie von AmaZen profitieren. Sie könnten nach einem Aufenthalt in der Kabine spürbar achtsamer weiterarbeiten: „.. AmaZen gibt mir die Möglichkeit, mir Zeit für mich selbst zu nehmen, innezuhalten und mich neu zu sammeln, was mir hilft, bei der Arbeit besser zu sein. Wenn ich mir diese Zeit nehme, komme ich konzentrierter zur Arbeit zurück…“.

Hier manifestiert sich das, was Anlass zu der oft geäußerten Kritik an einer Form der „Achtsamkeits-Bewegung“ ist, deren Ziel im Wesentlichen in der Selbstoptimierung im Dienste eines Unternehmens besteht, losgelöst von einem ethischen Rahmenwerk, wie es z.B. der Buddhismus detailliert ausgearbeitet hat. Jeder, der Achtsamkeit in solch einem Rahmen unterrichtet, muss sich darüber im Klaren sein, ob er die Mitverantwortung für solche Entwicklungen tragen möchte.

 

Achtsamkeit ohne Ethik

Der Zweck der Achtsamkeitspraxis (satipatthana) besteht nicht darin, ungesunde, materielle und somit veränderbare (Arbeit-) Bedingungen besser zu ertragen. Der Zweck besteht darin, nicht veränderbare Umstände, wie chronische Krankheiten, Alter, Verluste oder Tod auf eine mental/geistig bessere Art und Weise zu bewältigen, d.h. auf eine für das Individuum und die mit ihm verbundene Umwelt hilfreiche Art.

Fotos: https://press.aboutamazon.com/workingwell/

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