Ist der Palikanon eine buddhistische “Bibel” oder ein heiliger Text?

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Veröffentlicht 23. Februar 2021

Der Palikanon ist als die älteste buddhistische Überlieferung von Buddhas Lehre, aber er ist kein heiliger Text. Verschiedene Traditionen (“Schulen”) des Buddhismus verwenden unterschiedliche überlieferte Texte und Schriften als Quelle ihrer Lehren.

Was ist der Palikanon?

Der Palikanon hat seinen Namen von der alten Sprache Pali, in der er verfasst und um ca. 80 vor Christus in Indien erstmals schriftlich niedergelegt und bis heute überliefert wurde. Er ist die Standard-Sammlung von Schriften für Theravada-Buddhisten (Länder Südostasiens und Sir Lankas).
Er ist die Textsammlung, in der die zentralen Lehren des Buddhismus niedergelegt sind, die von allen Buddhisten und Buddhistinnen anerkannt werden, wie die vier Aufgaben (vier edle Wahrheiten), der achtfache Pfad oder die Anleitungen zur Vipassana-Meditation (Achtsamkeitsmeditation).
Der Palikanon wird auch Tipitaka genannt, was übersetzt Dreikorb bedeutet. Dreikorb bezieht sich auf die Aufteilung der Textsammlung in drei Sammlungen (“Körbe”, pitaka): das Vinayapitaka (der “Disziplin-Korb”, der die Regeln der Disziplin für die Mönche enthält), das Suttapitaka (der “Lehrreden-Korb des Buddha) und das Abhidhammapitaka (der “Abhandlungen-Korb”, der Texte über den menschlichen Geist enthält).

Gibt es andere Texte, die alle Buddhisten verwenden?

Ein Text, der in einer Schule als wesentlich gilt, kann in einer anderen bedeutungslos sein. In den sog. Mahayana-Schulen (z.B. tibetischer Buddhismus und Zen) sind einige der beliebtesten Schriften das Herz-Sutra, das Lotus-Sutra und das Diamant-Sutra.

Ist der Palikanon etwas, was es zu glauben gilt?

Es ist wichtig zu wissen, dass buddhistische Texte nicht die Funktion haben, wie die z.B. die Bibel oder der Koran. Buddhistische Schriften sind keine Verkündigungen oder Offenbarungen eines Gottes oder Propheten. Sie sind dazu gedacht, uns als Wegweiser auf dem Pfad des Erwachens zu dienen und nicht um einen Glauben als Wahrheit zu verbreiten. Buddhistische Lehren sind nicht etwas, das man glauben soll; sie sind etwas, das man tut.

Welche Bedeutung hat der Palikanon im säkularen Buddhismus?

Säkulare Buddhisten sind unabhängig von den feststehenden Lehrgebäuden (“Schulen”) des traditionellen, orthodoxen Buddhismus. Der Palikanon ist für sie ein zentraler Text, da in ihm die Gedanken und Lehren des Buddha am ursprünglichsten erhalten sind. Oft werden jedoch auch andere Texte herangezogen, z.B. aus dem Mahayana (Zen). Dabei gilt grundsätzlich, dass alle Lehren vom Übenden selbst zu überprüfen sind, so wie es der Buddha im Kalama-Sutta dargelegt hat.

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