Bedeutung und Anlass
Vesakh ist der wichtigste buddhistische Feiertag und erinnert zugleich an Geburt, Erwachen und Parinirvana des historischen Buddha Siddhartha Gautama. Seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gilt Vesakh traditionsübergreifend als zentraler Festtag und verbindet unterschiedliche Schulen in einem gemeinsamen Gedenken.
Ursprung und Verbreitung
Die Wurzeln liegen in den Theravada-Traditionen Südostasiens, insbesondere in Sri Lanka und Thailand, doch heute feiern Buddhisten weltweit den Tag als gemeinsames Erbe – jede Tradition auf ihre ganz eigene Weise.
Während in Sri Lanka Vesak-Laternen und aufwändig gestaltete Torbögen (pandals) die Umgebung schmücken, offene Speisestationen als Geschenke der Großzügigkeit (dansal) angeboten werden und Tempelbesuche, Predigten und Meditation der Fall sind, gehören in Thailand Almosengaben, Tempelzeremonien und die Kerzen-Prozession Wian Tian mit drei Umrundungen des Hauptheiligtums zu den Kernritualen, oft verbunden mit Enthaltsamkeit von Fleisch und Alkohol sowie Meditation und Dhamma-Vorträgen.
In China, Taiwan und Hongkong findet man das Ritual des Buddha-Baden am 8. Tag des 4. Mondmonats, bei dem über einer Kind-Buddha-Statue duftendes Wasser oder Tee als Symbol der Läuterung gegossen wird, flankiert von Rezitationen und vegetarischen Opfergaben.
In Korea wird das Lotuslaternenfest Yeon Deung Hoe gefeiert, bei dem Städte mit Laternen, Umzügen und gemeinschaftlichen Ritualen voller Licht sind. Dies ist seit 2020 UNESCO-Immaterielles Kulturerbe und versteht sich ausdrücklich als offenes, inklusives Kulturfest rund um Buddhas Geburtstag.
In Japan wird an Hanamatsuri am 8. April die Geburt Buddhas mit Blumenaltären (hanamido) und dem Übergießen der Kind-Buddha-Statue mit süßem Amacha gefeiert.
Termine und Kalender
International wird Vesakh am ersten Vollmondtag im Mai begangen, doch je nach Land, Tradition und buddhistischer Zeitrechnung variieren die Daten. In Deutschland feiern viele Gemeinschaften an einem Samstag im Mai, um Teilnahme und Gemeinschaftspraxis zu erleichtern.
Säkulare Vesakh-Praxis: konkrete Ideen
Selbst wenn man sich persönlich nicht als religös empfindet, so kann Vesakh dennoch einen Tag darstellen, der die Bedeutung der eigenen Praxis unterstreicht, der zum Innehalten und Kontemplieren ebenso einlädt, wie zum gemeinsamen Beisammensein und der Freude über die Früchte der eigenen Praxis.
Ein solcher Tag könnte mit Hilfe eines oder mehreren der folgenden Elemente gestaltet werden:
- Tag der Achtsamkeit: Sich selbst oder in Gemeinschaft eEinfache, klare Vorsätze für ethisches Sprechen, Nicht-Schaden, maßvolles Konsumieren und einen alkoholfreien Tag setzen, inspiriert von den gängigen Vesakh-Observanzen und der Praxisethik.
- Großzügigkeit im Alltag: Eine „weltliche Dansal“ organisieren, etwa als kostenlose Tee- oder Suppenstation, Lebensmittelspende oder Zeitspende in der Nachbarschaft, im Geiste der sri-lankischen Freispeisungen.
- Meditation und Güte: 20–30 Minuten stille Meditation und anschließend eine kurze Metta-Praxis für sich, Nahestehende und die Gemeinschaft, wie es Vesakh-Zeremonien oft mit Meditation verbinden.
- Licht und Symbolik: Eine Laterne oder Kerze entzünden und eine Runde achtsam im Freien gehen, als persönliche, nicht-metaphysische Version von Laternen- und Kerzenritualen.
- Lernen und Dialog: Einen Vortrag oder eine Textstelle zu Mitgefühl und Verantwortung lesen und mit Freundeskreis oder Gruppe reflektieren, in Anknüpfung an die öffentlichen Vesakh-/Laternenfeste.
- Nachhaltigkeit als Mitgefühlspraxis: Müllsammeln, Baum- oder Beet-Pflanzung oder ein autofreier Tag als Ausdruck der Verantwortung gegenüber der Mitwelt, im Sinne der von internationalen Institutionen betonten Werte von Mitgefühl und Verantwortung.



