Dana

Dana – Von der Kunst zu Geben

Dana, das Pali-Wort für Großzügigkeit, Geben und Teilhabe, ist die erste der sogenannten Paramitas, der Vollkommenheiten. Sie beschreibt eine innere Haltung, die weit über das hinausgeht, was wir gewöhnlich unter „Spende“ oder „Unterstützung“ verstehen. Dana ist ein Grundpfeiler der buddhistischen Praxis – nicht nur ein ethisches Prinzip, sondern ein Weg der Befreiung.

Mehr als Geld geben 

Im westlichen Verständnis ist Geben oft mit einem Gefühl von Verlust oder Pflicht verbunden. Wir „geben etwas her“, das uns gehört. Im Sinn von Dana geschieht aber genau das Gegenteil. Dana bedeutet, dass wir uns von der Vorstellung lösen, etwas sei mein Besitz. Das Geben wird zu einer Form des Loslassens, die innerlich frei macht.

Diese Art des Gebens verwandelt die Gebenden wie die Empfangenden gleichermaßen. Wer empfängt erfährt Unterstützung und Vertrauen, während diejenigen, die geben die Erfahrung von Fülle und Vertrauen machen dürfen. So entsteht durch Dana ein Kreislauf der gegenseitigen Stärkung – eine lebendige Form von Gemeinschaft.

Das Dharma ist unbezahlbar

In der buddhistischen Tradition wird das Lehren des Dharma nicht als Dienstleistung betrachtet, sondern als Geschenk. Das Dharma kann man nicht „kaufen“ wie eine Ware, denn es ist immateriell, kann nicht besessen oder als Besitz verstanden werden und es ist jenseits von materiellem Wert. Es ist ein Geschenk der Erkenntnis.

Dass jedoch dieser Austausch möglich ist – dass Räume, Lehrende, Begegnungen entstehen können –, beruht auf dem Prinzip der Teilhabe: viele Menschen tragen bei, damit andere Zugang zur Lehre finden. Dana ist also die Grundlage, auf der das Dharma in der Welt wirksam werden kann.

Damit dieses Teilhabeprinzip funktioniert, braucht es ein gemeinsames Verständnis: dass jede und jeder etwas einzubringen hat und auch kann. Erst durch das Erkennen dieser Verantwortung und Verbundenheit kann das Netz des Gebens und Empfangens sich tragen.

Als westliche Gemeinschaft sind wir hier gefragt, denn wo kein Preisschild, da wird in unserem Verständnis manchmal kein Wert zugemessen. Teure Produkte dagegen, werden manchmal als besonders wertig wahrgenommen. Dharma auf Danabasis anzubieten bedeutet nicht: “das ist geschenkt” – es bedeutet “Ich lege dies vertrauensvoll in deine Hände und glaube daran, dass du beitragen wirst, was dir möglich ist und entspricht.”

Die vielen Formen von Dana

Dabei ist Dana so vielfältig wie das Leben selbst. Es kann materiell sein – etwa durch finanzielle Unterstützung, Bereitstellen von Räumen, Essen oder Kleidung. Doch ebenso bedeutsam ist das immaterielle Geben: die Gabe von Zeit, Aufmerksamkeit, Wissen, Mitgefühl, Geduld, Zuhören, Ermutigung.

Wer gerade kein Geld geben kann, kann vielleicht mit Organisation, Sprache, Handwerk, Freundlichkeit oder einfach durch Präsenz beitragen. Jede Geste, die unterstützt, öffnet oder heilsam wirkt, ist ein Ausdruck von Dana.

Im bekannten Gleichnis sagt der Buddha, dass auch ein freundliches Wort oder das Teilen eines Sitzplatzes als Dana gilt. Das zeigt: Es sind nicht die materiellen Mittel entscheidend, sondern die Haltung des Herzens – die Bereitschaft, etwas zu teilen, ohne Berechnung, ohne Gegenleistung zu erwarten.

Dana als gelebte Beziehung

In Gemeinschaft zeigt sich Dana als ein Prozess wechselseitiger Abhängigkeit, nicht als Einbahnstraße. Die Lehrenden geben Dharma, die Hörenden geben Unterstützung, Vertrauen und Anteilnahme zurück. Beide Seiten nähren sich gegenseitig.

Das ist gleichermaßen ein möglicher Schutz: Lehrende, die sich unethisch verhalten oder für die Allgemeinheit keine hilfreichen Lehren anbieten, die erfahren weniger Unterstützung. Dana entspringt damit dem Wunsch zurückzugeben, wenn man etwas hilfreiches und unterstützendes Erfahren hat. Es ist ein Prinzip der Gegenseitigkeit, der Reziprozität.

Wenn wir Dana geben, geht es auch immer um mehr als mich selbst. Ich werde Teil einer größeren Gemeinschaft, über diesen Zeitpunkt und Ort hinaus. Was ich jetzt gebe unterstützt Teilnehmende und Lehrende in der Zukunft, Menschen, die ich vielleicht nicht kenne und nie kennen werde, denen ich aber ermögliche etwas zu erfahren, was ihnen so hilfreich sein darf, wie mir selbst. Dies ist die spirituelle Dimension von Dana: Es verbindet uns miteinander und erinnert uns daran, dass nichts wirklich nur „mein“ oder „dein“ ist.

Mudita und die Freude am Geben

Eng verwandt mit Dana ist das Prinzip der Mudita, der Mitfreude und Wertschätzung. Etwas zu geben, ist nicht nur eine ethische Pflicht – es ist eine Quelle der Freude. Authentisch etwas zu schenken, und es nicht nur aus dem Pflichtgefühl heraus herzugeben, bringt ein Gefühl von Weite, Leichtigkeit und Erfüllung mit sich.

Im buddhistischen Sinne ist Großzügigkeit nicht nur Ausdruck von Mitgefühl, sondern auch ein Schutz für den eigenen Herzgeist (citta). Sie schützt das Herz vor Gier, Geiz und Angst. Wenn wir teilen, schwächen wir in uns jene Kräfte, die trennen und misstrauisch machen.

Diese Freude schützt uns vor dem Gefühl des Mangels. Sind wir in einer Perspektive von Mangel und Verlust gefangen, dann wird es uns eng ums Herz. Wir glauben beständig zu wenig zu haben und auch nichts zu besitzen oder zu können, was man mit anderen teilen könnte.

In einer Welt, die häufig auf Besitz, Leistung und Mangeldenken gründet, ist die Praxis von Dana eine Form des Widerstands – leise, aber radikal. Eine Perspektive der Fülle und Großzügigkeit wird da zum revolutionärer Akt. Sie verwandelt Angst in Vertrauen, Enge in Weite und Vergleich in Dankbarkeit. Hinstehen zu können und in einigen Aspekten des Lebens gelegentlich sagen zu können: “Das was ich habe, ist genug” schenkt uns Ruhe. Wenn wir dann sogar sagen können “Ich habe so viel, dass ich andere daran teilhaben lassen kann”, sei es Kraft, Zeit, Freundlichkeit, Wohlwollen oder Fürsorge, dann erleben wir Fülle.

Die Einladung zum Üben

Dana ist keine einmalige Handlung, sondern eine tiefgreifende Praxis, die uns alle bereichert, aber auch vor Fragen und Herausforderungen stellt. Jeder Tag bietet Gelegenheiten zu geben ebenso wie zu empfangen. Manchmal sind die Geschenke, die wir austauschen offensichtlich, oft aber unscheinbar. Der Atemzug frischer Luft, das Frühstücksbrot, ein Lächeln, eine helfende Hand, ein wohlwollendes Wort, das Teilen von Stille: all das sind Ausdrucksformen von Großzügigkeit.

Treffen wir dabei auf Engpässe, Sorgen und Nöte, dann geht es nicht darum gewaltsam trotzdem zu geben, sondern in Kontakt mit dem zu

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