Dharma

Dharma

Dharma (Pali: Dhamma) bezeichnet im Buddhismus sowohl die Lehre des Buddha als auch die Beschaffenheit der Wirklichkeit, auf die diese Lehre verweist, und ist als eines der Drei Juwelen zentraler Bezugspunkt von Praxis und Orientierung. Je nach Kontext meint Dharma Lehre, Pfad, Methode der Übung, Wahrheit und auch einzelne Phänomene (dharmas) als Bestandteile der Erfahrung.

Definition

Dharma ist im Buddhismus die praktisch erfahrbare Lehre und Übung, die zur Minderung von Leid führt, sowie die Einsicht in die Art und Weise, wie Erfahrungen bedingt entstehen und vergehen. Es umfasst Wegweiser wie die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad, den Prozess des Einübens und die Realisierung von Einsicht; damit ist Dharma zugleich Orientierung, Weg und Ziel innerhalb der Drei Juwelen: Buddha, Dharma, Sangha.

Übersetzung und Wortherkunft

Pali: dhamma; Sanskrit: dharma. Häufige Übersetzungen sind Lehre, Gesetz, Ordnung, Wahrheit, Pfad, Wirkprinzip oder Phänomen, wobei der Wortstamm dhṛ auf halten, tragen, stützen verweist, also auf das, was Ordnung trägt oder aufrechterhält. Synonyme und nahe Begriffe sind Buddhadharma (Lehre des Buddha), Dharmavinaya (Lehre und Disziplin) sowie im Plural dharmas für die konstituierenden Faktoren von Erfahrung in der buddhistischen Abhidhamma/Abhidharma-Tradition.

Beschreibung und Bedeutung

Im Kern verweist Dharma auf Richtlinien und Einsichten, die helfen, Unzufriedenheit und Leid (dukkhadukkha) zu verstehen und zu verringern, insbesondere durch die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad als methodische Orientierung für Verständnis, Ethik und meditative Schulung. Als eines der Drei Juwelen wird Dharma zugleich als Lehre, als Praxis ihrer Anwendung und als Verwirklichung der Einsicht verstanden, sodass Worte, Übung und Einsicht eine Einheit bilden, deren Geltung sich an der Befreiung von Leiden misst. In einem weiteren Sinn bezeichnet Dharma auch Phänomene bzw. dharmas als bedingt entstandene Elemente des Erlebens, was die analytische Perspektive mancher buddhistischer Philosophien auf Erfahrung und Wandel ausdrückt.

Säkularer Buddhismus

Aus Sicht des säkularen Buddhismus (Säkularer Buddhismus) ist Dharma vor allem ein erprobbarer, erfahrungsnaher Pfad: Lehrsätze sind Hypothesen über Leid und seine Beendigung, die in Achtsamkeit, ethischer Praxis und Einsicht überprüft und adaptiert werden, ohne Rückgriff auf metaphysische Voraussetzungen. Entscheidend ist die beobachtbare Bedingtheit von Kognition, Emotion und Handlung sowie deren veränderbare Wechselwirkungen im Alltag, also Lehre als praktisches Instrumentarium für Umgang mit Gewohnheiten, Affekten und Lebensentscheidungen.

Theravada und Mahayana

Im Theravada wird Dhamma als kanonische Lehre (einschließlich Abhidhamma) und als verlässlicher Orientierungsrahmen für Ethik, Sammlung und Einsicht verstanden; im Plural bezeichnen dhammā die konstituierenden Faktoren von Erfahrung und deren Gesetzmäßigkeiten. Im Mahayana reicht die Spannweite von Dharma als Lehre bis zur Einsicht in die Leere und Bedingtheit aller dharmas, wobei Formeln wie alle dharmas sind ohne Selbstessenz das Primat von Vergänglichkeit, Nicht-Selbst und wechselseitiger Bezogenheit hervorheben.

In west-philosophischer Perspektive lässt sich Dharma mit Tugendethik (Praxis, Charakterbildung), Stoizismus (Affektregulation, Übung), Phänomenologie (Beschreibung gelebter Erfahrung) und moderner Kognitionswissenschaft (Aufmerksamkeit, Kognition, Verhalten) in Beziehung setzen, da jeweils die Transformation von Wahrnehmen und Handeln im Fokus steht. Ebenso erinnert Dharma als Ordnung/Regelmäßigkeit an Natur- und Sozialgesetzlichkeiten, ohne sich auf Naturrecht zu verengen; zentrale ist vielmehr die prozessuale, kontextabhängige Orientierung an Bedingungen, Wirkungen und Lernschleifen.

Bezug zur täglichen Praxis und Ethik

Dharma wird im Alltag als handlungsleitende Übung verstanden: Verständnis klären, heilsame Absichten kultivieren, Sprache und Handeln ausrichten, Aufmerksamkeit schulen und Einsicht vertiefen, um Leidensursachen abzubauen. Praktisch heißt das, die Achtfachpfad-Dimensionen (z.B. rechte Rede, Handlung, Lebensunterhalt) in konkreten Situationen anzuwenden und anhand von Ergebnissen zu justieren; Lehre wird so zur ergebnisorientierten Ethik des Miteinanders.

Beispiele sind das bewusste Unterlassen verletzender Rede, das Trainieren wohlwollender Perspektivwechsel und das Prüfen von Gewohnheiten auf ihre Folgen, stets mit Blick auf real beobachtbare Verbesserungen in Beziehungen und Lebensqualität. Meditation und Achtsamkeit dienen dabei als methodische Schulungen, die Aufmerksamkeit, Klarheit und Selbstregulation stärken und damit ethische Entscheidungen tragfähiger machen.

Suttas zum Thema des Begriffs

  • SN 56.11 Dhammacakkappavattana Sutta – SuttaCentralhttps://suttacentral.org/sn56.11/de
    Erste Lehrrede über die Vier Edlen Wahrheiten und den mittleren Weg, die das Rad der Lehre in Gang setzt und Dharma als Orientierungsrahmen für Verstehen und Praxis etabliert.
  • AN 3.65 Kālāma Sutta – SuttaCentralhttps://suttacentral.org/an3.65/de
    Ermutigt zur kritischen Prüfung von Lehren an ihren Folgen, betont Erfahrungsbezug und ethische Wirksamkeit als Maßstab für Dharma.
  • Dhp 183 (Dhammapada) – SuttaCentralhttps://suttacentral.org/dhp169-196/de
    Fasst Dharma als Ethikweg zusammen: Nicht-Böses tun, Gutes kultivieren, den Geist läutern – ein praktischer Dreischritt der Lehranwendung.

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