Dana

Definition

Dāna bezeichnet im Buddhismus die geübte Großzügigkeit: das bewusste Geben von Materiellem, Zeit, Aufmerksamkeit oder Wissen, ohne Gegenleistung zu erwarten, um Enge, Gier und Angst zu lockern und Verbundenheit zu stärken. In einer säkular-buddhistischen Perspektive ist Dāna eine trainierbare Praxis prosozialen Handelns, die nachweislich Beziehungen stabilisiert, Vertrauen fördert und Bedingungen für Kooperation, Fairness und Fürsorge schafft. So wird Ethik im Alltag konkret und wirksam.

Übersetzung und Wortherkunft (Wortherkunft)

Pāli: dāna; Sanskrit: dāna (von der Wurzel dā = geben).
Gängige Übersetzungen: Gabe, Spende, Großzügigkeit, Freigebigkeit, Schenken.
Wörtliche Bedeutung: das Geben bzw. das, was gegeben wird.
Verwandte Begriffe/Synonyme: dakkhiṇā (Gabe/Opfergabe), cāga (Freigebigkeit), puñña (heilsames Verdienst als nützliche Wirkung), dāna‑pāramī/pāramitā (Vollkommenheit der Großzügigkeit), mettā (Freundlichkeit) und karuṇā (Mitgefühl) als Haltungen, die Dāna tragen.

Beschreibung und Bedeutung

Dāna ist ein Grundpfeiler des Pfades, weil Großzügigkeit direkt mit der Dynamik von Anhaften und Abneigung arbeitet: In dem Moment, in dem gegeben wird, wird Enge gelockert und soziale Verbundenheit gestärkt. Aus säkularer Sicht ist Dāna keine metaphysische Anhäufung von „Verdienst“, sondern ein überprüfbarer Lernprozess, der Gewohnheiten, Beziehungen und Strukturen verändert. Geben trainiert Aufmerksamkeit für Bedürfnisse, Perspektivwechsel, faire Verteilung und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, ohne in Defensivreflexe zu fallen.

Dāna steht in Wechselwirkung mit Achtsamkeit (sati), Gefühlston (vedanā), Absicht (cetanā) und Weisheit (paññā). Achtsamkeit erkennt Situationen und Bedürfnisse, Absicht richtet auf Nützlichkeit aus, Weisheit wählt geeignete Mittel; das Geben selbst verändert wiederum die Bedingungen: Vertrauen wächst, Kooperation wird wahrscheinlicher, und der eigene Handlungsspielraum erweitert sich. So verbindet Dāna individuelle Praxis mit sozialer Ethik: Großzügigkeit wird zu einer Kultur des Teilens, die Schaden verringert und Resilienz stärkt.

Säkularer Buddhismus

Dāna wird als empirisch sinnvolle Praxis sozialer Fürsorge verstanden, die Enge in prosoziale Kompetenz verwandelt. Entscheidend sind Kontextsensibilität und Wirksamkeit: Was hilft hier und jetzt? Großzügigkeit umfasst Geld, Zeit, Aufmerksamkeit, Wissen, Netzwerke und Schutz. „Verdienst“ wird als nützliche Rückkopplung gesehen: Geben verändert Gewohnheiten und Systeme, macht Kooperation wahrscheinlich und stützt gerechte Institutionen. So wird Dāna zum Alltagslabor für Verbundenheit und Verantwortlichkeit.

Theravada und Mahayana

Im Theravāda gilt Dāna als zentrale Tugend zur Minderung von Gier, oft verbunden mit Unterstützung der Gemeinschaft und der Lehre; es ist Basis von Sittlichkeit und Sammlung und bereitet Einsicht vor. Im Mahāyāna erscheint Dāna als erste der pāramitās und wird mit Bodhicitta verknüpft: Geben als Ausdruck universalen Mitgefühls. Manche Traditionen unterscheiden materielle Gaben, Dharma‑Gaben (Weitergeben von hilfreichem Wissen) und Furchtlosigkeits‑Gaben (Schutz, Sicherheit). Gemeinsam bleibt: Dāna öffnet Herz‑Geist und Gesellschaft.

In westlichen Bezügen lässt sich Dāna mit Tugend‑ und Care‑Ethik, Gemeingut‑Forschung und Verhaltenswissenschaft verschränken. Großzügigkeit formt Haltungen durch wiederholte Praxis und schafft soziale Normen des Vertrauens. Psychologie und Ökonomie zeigen, dass gebende Kulturen Kooperation, Gesundheit und Zufriedenheit fördern, wenn Transparenz, Fairness und Partizipation gegeben sind. Systemisch gedacht wirkt Dāna als Intervention in Bedingungen: Es verändert Netzwerke, senkt Transaktionskosten (durch Vertrauen) und stärkt die Fähigkeit, gemeinsam Probleme zu lösen.

Bezug zur Alltagspraxis und ethischem Leben

Im Alltag heißt Dāna: bewusst Bedingungen für Wohlergehen schaffen – mit Geld, Zeit, Kompetenz, Kontakten und Schutz. Das beginnt im Kleinen: aufmerksam zuhören, Wissen teilen, Arbeit gerecht verteilen, Anerkennung aussprechen, Ressourcen weiterreichen, wo sie mehr bewirken. Großzügigkeit wird so zur Gewohnheit, die in Familien, Teams und Nachbarschaften Vertrauen aufbaut, Konflikte entschärft und Resilienz erhöht. Wichtig ist die Balance von Geben und Grenzen, damit Dāna nachhaltig bleibt und nicht in Erschöpfung führt.

Praktische Beispiele: ein Teil des Budgets für solidarische Zwecke, Mentoring im Beruf, Care‑Arbeit sichtbar machen und fairer organisieren, regelmäßig Dinge spenden, die nicht genutzt werden, und sich für sichere Räume engagieren. Wirksamkeit steigt, wenn Geben transparent, bedarfsorientiert und gemeinschaftlich abgestimmt erfolgt. So wird Dāna zur Kultur: weniger „Almosen“, mehr geteilte Verantwortung.

Suttas zum Thema des Begriffs

  • MN 142 Dakkhiṇāvibhaṅga‑Sutta – Analyse der Gaben (https://suttacentral.org/mn142)
    Dieses Sutta erläutert Arten und Intentionen des Gebens und zeigt, wie Kontext und Haltung die Bedeutung von Dāna prägen.

  • DN 31 Sigālovāda‑Sutta – Ratgeber für Haushälter (https://suttacentral.org/dn31)
    Gibt praktische Leitlinien zu verantwortlichem Umgang mit Ressourcen, Beziehungen und gegenseitiger Unterstützung.

  • Iti 26 Dāna‑Sutta – Über das Geben (https://suttacentral.org/iti26)
    Betont die heilsame Wirkung von Großzügigkeit und die Rolle der Absicht; Dāna als Herzstück sozialer Praxis.

Weitere Quellen

  • Bhikkhu Bodhi (Hg.): In the Buddha’s Words. Wisdom, 2005. ISBN 978‑0861714919.

  • Peter Harvey: An Introduction to Buddhist Ethics. Cambridge UP, 2000. ISBN 978‑0521556401.

  • Damien Keown: Buddhist Ethics. Oxford UP, 2005. ISBN 978‑0192804570.

  • Thanissaro Bhikkhu: The Economy of Gifts. Metta Forest Monastery, 2000.

  • Stephen Batchelor: After Buddhism. Yale UP, 2015. ISBN 978‑0300205183.

  • Joan Halifax: Standing at the Edge. Flatiron, 2018. ISBN 978‑1250101365.

  • Elinor Ostrom: Governing the Commons. Cambridge UP, 1990. ISBN 978‑0521405990.

  • Tania Singer & Matthieu Ricard: Mitgefühl. Ullstein, 2015. ISBN 978‑3550080984.

  • Payutto, P. A.: Buddhist Economics. Buddhadhamma Foundation, 1994.

  • SuttaCentral – Themenübersicht zu dāna: https://suttacentral.net/

Links zu Enzyklopädien

Verwandte Begriffe:
Großzügigkeit, Spende, Freigiebigkeit
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