Thich Nhat Hanh – Der Mönch, der Achtsamkeit in den Westen brachte

Thich Nhat Han Meditation

Von Buddhastiftung

Ein Nachruf

Am 22.1.2022 verstarb Thich Nhat Hanh in Hue in Vietnam im Alter von 95 Jahren.

Den meisten Buddhisten dürfte der Dharma-Lehrer zumindest vom Namen her bekannt sein. Mit seinen zahlreichen Büchern v.a. zur Achtsamkeit ist er im Westen Millionen Menschen ein Begriff geworden, vielfach bezeichnet als der “sanfte Lehrer”.

Mitbegründer eines Engagierten Buddhismus

Dabei wird oft übersehen, dass sein Lebensweg als ein Begründer des “Engagierten Buddhismus” in seinen jungen Jahren ein politischer war. Sein aktives Eintreten für ein Ende des Vietnamkrieges in den 60er-Jahren u.a. zusammen mit Martin Luther King erbrachte ihm die Nominierung für den Friedensnobelpreis.

Thich Nhat Hanh 1967 Martin Luther King

Ein Wegbereiter der Achtsamkeitsbewegung

Seine Vision einer Kultur der Versöhnung auf Basis einer säkularen Achtsamkeit und das Talent, den Dharma in einfachen Worten und Bildern zu erklären, machten ihn zu einem der Wegbereiter der säkularen Achtsamkeitsbewegung.

Ungeachtet seiner Traditionslinie hat er in seine Lehre und Praxis der Achtsamkeits-Meditation Elemente des Theravada bzw. Vipassana und Zenbuddhismus integriert und sie teilweise auch mit westlichen Gedanken, z.B. des Existenzialismus verknüpft.

Auf dem Weg zu einem Orden der Gleichberechtigten

Nach seinem erzwungenen Exil aus Vietnam gründete er den Orden Intersein und 1982 das europäische Zentrum des Ordens, Plum Village in Frankreich, wo er sich häufig aufhielt, wenn er nicht weltweit Retreats leitete und lehrte. Dabei ignorierte er traditionelle buddhistische Klosterregeln und setzte Nonnen und Mönche als Gleichberechtigte ein. Ungeachtet dessen blieb die klösterliche Hierarchie zwischen Ordinierten und Nicht-Ordinierten erhalten.

Ich konnte Thich Nath Hanh 2003 persönlich auf einem Retreat für Menschen in helfenden Berufen kennenlernen und werde ihn als offenen und immer freundlichen Menschen in Erinnerung behalten, der authentisch jedem seine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen liess.

Selbstverpflichtung zur Offenheit

Seine Offenheit manifestierte sich auch in den 14 für seine Sangha zentralen Achtsamkeits-Übungen, in denen u.a. die Werte der Freiheit, des Nicht-Anhaftens an Ansichten und des Lossagens von absoluten Wahrheiten formuliert sind:

“… wir (sind) entschlossen, Engstirnigkeit zu vermeiden und uns nicht an unsere gegenwärtigen Ansichten zu binden. Wir sind entschlossen, das Nicht-Festhalten an Ansichten zu lernen und zu praktizieren sowie offen für die Erfahrungen und Einsichten anderer zu sein, um von der kollektiven Weisheit zu profitieren. Wir sind uns bewusst, dass unser derzeitiges Wissen keine unveränderliche, absolute Wahrheit ist.” (1).

Der Pfad ist der Alltag

Er vertrat nicht nur einen undogmatischen, sondern auch einen pragmatischen und erfahrungsbasierten Weg der Dharma-Praxis:

“An einem bestimmten Punkt aber müssen alle unsere Vorstellungen und Ideen der unmittelbaren Erfahrung den Vorrang einräumen. Wörter und Ideen sind nur dann von Nutzen, wenn sie in die Praxis umgesetzt werden. Wenn wir aufhören zu diskutieren und anfangen, die Lehren in unserem Leben zu verwirklichen, kommt der Augenblick, wo wir erkennen, dass Pfad und Leben eins sind…”(2).

Den Nachfolgenden, die nun sein Erbe antreten, ist zu wünschen, dass sie seine Vision von einer friedensstiftenden Sangha umsetzen mögen.

 

1 Die 14 Achtsamkeitsübungen,

2 Thich Nhat Han, Das Herz von Buddhas Lehre, Herder 1999, S. 123

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