Was versteht man unter Leerheit im Buddhismus?

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Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 8. Juni 2021

Leerheit ist ein Begriff in vielen buddhistischen Traditionen und Schulen, die oft ihre eigenen Symbole für das Konzept der Leerheit entwickelt haben. Das Enso, der “Zen-Kreis” zum Beispiel ist ein Symbol, das häufig in der japanischen Zen-Kalligraphie und in Kunstwerken verwendet wird.

Der deutsche Begriff “Leerheit”, eine Übersetzung des Pali-Wortes sunnata (Sanskrit sunyata oder shunyata), ist einer der Begriffe im Buddhismus, der am häufigsten missverstanden wird und. Er wird missverstanden, weil er mit dem Verstand nicht leicht zu fassen ist und von verschiedenen buddhistischen Schulen unterschiedlich interpretiert wird. Und er kann abschreckend empfunden werden, weil er negativ klingt.

Doch “Leerheit” bezieht sich nicht auf eine düstere Leere oder eine Art von Nihilismus. Im Pali-Kanon, der einige der frühesten buddhistischen Schriften umfasst, verwendet der Buddha diesen Begriff, um zu beschreiben, wie sich die Leerheit auf unsere Vorstellung vom Selbst, unserem “Ich”, bezieht. In einer bekannten Lehrrede zeigte der Buddha auf einen Wagen und fragte: “Wo ist die Essenz (der “Wesenskern”) des Wagens? Ist sie in den Rädern? Dem Sitz? Der Achse?” Natürlich enthält keines der Einzelteile die Essenz des Wagens, und auch kein anderes Teil, das in kleinere Bestandteile zerlegt wird, verfügt über eine einzigartige Essenz, sie sind alle „leer“. Wie der Wagen ist auch das “Selbst”, das wir so hingebungsvoll verehren, nichts weiter als das vorübergehende Zusammenwirken verschiedener Bestandteile, vergänglich (anicca) und ohne Wesenskern (anatta). Die “Leerheit” der geistigen Phänomene lässt sich in der Vipassana- bzw. Achtsamkeitsmeditation erfahren.

Spätere buddhistische philosophische Schulen erweiterten das Konzept der Leerheit, um alle in der Welt existierenden Phänomene einzuschließen. Das berühmteste Beispiel hierfür ist das Herz-Sutra, eine Schrift aus der Tradition des Mahayana. Da alles von etwas anderem abhängig ist, existiert nichts in irgendeiner autonomen, dauerhaften Weise. Einige Schulen gehen sogar noch weiter: Alles, was wir wahrnehmen, hängt vom Geist ab, der etwas als “existent” wahrnimmt, und ist daher leer im Sinne einer fehlenden eigenen Existenz oder Substanz. Nichts – nicht einmal die kleinsten vorstellbaren Teilchen oder der Geist selbst – hat irgendeine substantielle Realität. Es ist alles relativ, alles “leer”. Manche Menschen sind in diesem Zusammenhang fasziniert, dass diese alte erfahrungsbasierte Erkenntnis übereinstimmt mit der modernen Physik, insbesondere der Quantenphysik.

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